Je weniger ich esse, desto besser nehme ich ab. Diesen Gedanken kennen fast alle Frauen, die schon mehrere Diäten hinter sich haben. Er klingt logisch. Und er hat sich beim Thema Abnehmen als einer der größten Denkfehler eingeschlichen.
Ich möchte dir in diesem Artikel erklären, warum dieser Gedanke so verführerisch ist, was er mit deinem Körper macht und was du stattdessen tun kannst.
Was an dem Gedanken stimmt
Natürlich brauchen wir zum Abnehmen langfristig ein Kaloriendefizit. Wenn wir Körperfett verlieren wollen, müssen wir über einen längeren Zeitraum weniger Energie aufnehmen, als unser Körper verbraucht. Daran führt kein Weg vorbei, und das möchte ich dir auch überhaupt nicht schönreden.
Das Problem ist nur, dass aus diesem sehr einfachen Prinzip irgendwann die Idee entstanden ist: Wenn weniger Kalorien zum Abnehmen führen, dann müssen möglichst wenige Kalorien ja noch besser sein.
Und genau da wird es für die meisten problematisch.
Was passiert, wenn du dein Budget immer weiter kürzt
Stell dir vor, du hast für deinen Alltag ein bestimmtes Energiebudget. Und dieses Budget reduzierst du immer weiter. Dann passiert Folgendes:
- Dein Hunger kann steigen, und du denkst häufiger an Essen.
- Deine Energie kann sinken.
- Du bewegst dich im Alltag möglicherweise unbewusst weniger.
- Training fühlt sich anstrengender an.
- Deine Laune kann schlechter werden.
Und gleichzeitig erwartest du von dir, dass du diesen Zustand wochenlang perfekt durchhältst. Das ist ein Plan, der fast zwangsläufig kippt. Dann sitzen Frauen irgendwann bei mir und sagen: Ich verstehe das einfach nicht, ich esse doch schon fast gar nichts mehr.
Was ich bei einer Frau als Erstes frage
Meine erste Frage lautet nie: Wo können wir jetzt noch etwas wegnehmen? Mich interessiert zuerst:
- Wann isst sie überhaupt, und wie sehen ihre Mahlzeiten aus?
- Wie viel Protein ist dabei, wie viele Kohlenhydrate?
- Wird sie davon satt?
- Wie sieht ihr Tagesablauf aus?
- An welcher Stelle kippt das Ganze normalerweise?
Manchmal besteht die Lösung nicht darin, noch weniger zu essen. Manchmal müssen wir die vorhandene Ernährung erst einmal sinnvoll strukturieren. Bei manchen Frauen bedeutet das tatsächlich, einzelne Mahlzeiten wieder größer zu machen. Ja, richtig gehört. Wenn du jahrelang gelernt hast, dass Abnehmen heißt, möglichst wenig zu essen, klingt das erst mal komplett falsch. Ich weiß.
Ein Beispiel aus meinem Coaching
Eine meiner Klientinnen war am Anfang extrem skeptisch, und das konnte ich verstehen, denn sie hatte vorher extrem viel ausprobiert. Eines ihrer größten Muster war genau das: Sie hat versucht, möglichst wenig zu essen. Irgendwann kam der Heißhunger, dann der Frust und der Rückfall. Und daraus entstand wieder der Gedanke: Dann muss ich mich morgen noch mehr zusammenreißen, noch weniger essen.
Heute hat sie über 60 Kilo abgenommen. Aber viel wichtiger ist mir, was dahintersteckt: Sie brauchte nicht noch mehr Härte und nicht noch mehr Druck. Sie brauchte einen Weg, den sie nicht nur ein paar Wochen, sondern dauerhaft umsetzen kann.
Woran du erkennst, dass dein Plan zu streng ist
- Du denkst den ganzen Tag an Essen.
- Abends hast du keine Chance mehr gegen den Hunger.
- Du bist erschöpft, gereizt oder hast keinen Antrieb mehr.
- Dein normales Leben mit Familie, Arbeit und Haushalt wird dadurch schwerer.
Wenn deine Strategie zum Abnehmen dafür sorgt, dass du dein normales Leben kaum noch bewältigen kannst, dann ist es nicht die richtige Strategie für dein Leben.
Was du stattdessen tun kannst
Frag dich nicht mehr: Wie kann ich morgen noch weniger essen? Frag dich lieber:
Wie kann ich meinen Körper über den Tag vernünftig versorgen und meinen Alltag so strukturieren, dass ich nicht jeden Abend dagegen ankämpfen muss?
Das heißt konkret: regelmäßige Mahlzeiten, die dich satt machen, ausreichend Protein, Gemüse und Ballaststoffe, vernünftige Portionsgrößen und ein Plan, der auch in einer stressigen Woche funktioniert. Nicht das, was theoretisch perfekt wäre, sondern das, was du die nächsten 3, 6 oder 12 Monate wirklich umsetzen kannst.
Das ist weniger spektakulär als die nächste Diät. Aber es ist der Unterschied zwischen noch einem Neustart und einem Weg, der bleibt.


